Ratgeber · Karriere und Ausbildung · Stand 24.10.2026
Gebäudereiniger Ausbildung: Dauer, Inhalte, Vergütung und Perspektiven
Die Ausbildung zum Gebäudereiniger oder zur Gebäudereinigerin dauert 3 Jahre und läuft dual im Betrieb und in der Berufsschule. Die tarifliche Ausbildungsvergütung beträgt beispielhaft 1.000 Euro im ersten, 1.150 Euro im zweiten und 1.300 Euro im dritten Ausbildungsjahr pro Monat. Rechtlich ist kein bestimmter Schulabschluss vorgeschrieben.
Was macht ein Gebäudereiniger?
Gebäudereiniger halten Gebäude, Anlagen und Fahrzeuge sauber und hygienisch einwandfrei. Nach dem Steckbrief der Bundesagentur für Arbeit reinigen sie in Bürogebäuden Flure, Räume und Sanitärbereiche, in Wohnanlagen Treppenhäuser und Außenanlagen. Dazu kommen Fassaden, Glasdächer und Sonnenschutzeinrichtungen, in Fertigungsbetrieben auch Produktionshallen und Anlagen.
Weitere Einsatzfelder sind die Reinigung von Verkehrsmitteln, die Hygiene in Krankenhäusern, in der Lebensmittelproduktion und in Schwimmbädern sowie die Entsorgung von Abfällen, kontaminierten Materialien und Schmutzwasser. Bei Schädlingsbefall veranlassen Gebäudereiniger Abwehr- oder Bekämpfungsmaßnahmen.
Der Beruf ist damit deutlich breiter als das, was viele unter Reinigung verstehen. Wer sich für Technik, Chemie und körperliche Arbeit interessiert, findet hier ein anerkanntes Handwerk mit klaren Aufstiegswegen.
Wie lange dauert die Ausbildung zum Gebäudereiniger?
Die Ausbildung dauert 3 Jahre. Das bestätigen die Bundesagentur für Arbeit und das Bundesinstitut für Berufsbildung. Sie ist eine duale Ausbildung im Handwerk: Sie lernen im Ausbildungsbetrieb und besuchen parallel die Berufsschule.
Die Ausbildung ist durch die Gebäudereinigerausbildungsverordnung vom 28. Juni 2019 geregelt (§ 2: drei Jahre) und endet mit der Gesellenprüfung vor der Handwerkskammer. Die Zeitrahmen der Prüfungen legen die Prüfungsausschüsse fest, Termine und Anmeldung die zuständige Handwerkskammer. Fragen Sie Ihren Ausbildungsbetrieb früh nach den Prüfungsterminen.
Eine Verkürzung ist unter bestimmten Voraussetzungen möglich, etwa bei höherem Schulabschluss oder einschlägiger Vorbildung. Das entscheidet der Betrieb gemeinsam mit der Kammer. Verbindliche Fristen nennt Ihre Handwerkskammer.
Welche Voraussetzungen und Schulabschlüsse sind nötig?
Rechtlich ist keine bestimmte Schulbildung vorgeschrieben. Welche Abschlüsse Betriebe in der Praxis bevorzugen, entscheidet jeder Ausbildungsbetrieb selbst.
Die Bundesagentur für Arbeit nennt als wichtige Anforderungen:
- Sorgfalt und Umsicht, zum Beispiel beim Reinigen in Gesundheits- und Pflegeeinrichtungen oder beim Entsorgen von Gefahrstoffen
- Körperbeherrschung und Schwindelfreiheit beim Arbeiten auf Leitern, Gerüsten, Hubarbeitsbühnen und Fassadenbefahranlagen
- Handwerkliches Geschick für Pflege, Instandhaltung und Bedienung von Reinigungsmaschinen
Hilfreiche Schulfächer sind Mathematik, etwa zur Berechnung des Reinigungsmittelbedarfs, sowie Chemie und Physik für die richtige Auswahl und Dosierung der Mittel.
Was lernt man in der Ausbildung?
Die Ausbildung vermittelt berufsprofilgebende Fertigkeiten, Kenntnisse und Fähigkeiten sowie Inhalte, die für alle Tätigkeiten gelten, etwa Arbeitsschutz, Umweltschutz und Arbeitsrecht. Typische Lerninhalte nach Berufsbeschreibung:
- Reinigung und Pflege von Böden, Sanitärbereichen, Einrichtungsgegenständen und Verglasungen
- Fassaden-, Glas- und Verkehrsmittelreinigung, Arbeiten mit Leitern, Gerüsten und Hubarbeitsbühnen
- Bedienung, Pflege und Instandhaltung von Reinigungsmaschinen
- Auswahl, Dosierung und sicherer Umgang mit Reinigungsmitteln und Gefahrstoffen
- Hygienemaßnahmen und Schädlingsprävention
- Umweltgerechte Entsorgung von Abfällen und Schmutzwasser
- Arbeitsplanung, Materialbedarf und einfache Kalkulation
Welche Schwerpunkte ein Betrieb besonders vertieft, hängt von seinen Kunden ab. Ein Betrieb mit Krankenhäusern legt andere Akzente als einer mit Fassadenarbeiten.
Was verdient man in der Ausbildung?
Die tarifliche Ausbildungsvergütung im Gebäudereiniger-Handwerk beträgt seit dem 1. Januar 2025 monatlich:
| Ausbildungsjahr | Vergütung pro Monat (brutto) | Vorher (bis Ende 2024) |
|---|---|---|
| 1. Ausbildungsjahr | 1.000 Euro | 900 Euro |
| 2. Ausbildungsjahr | 1.150 Euro | 1.035 Euro |
| 3. Ausbildungsjahr | 1.300 Euro | 1.200 Euro |
Die Bundesagentur für Arbeit nennt diese Werte im BERUFENET-Steckbrief (Stand 3. August 2026) als beispielhafte Ausbildungsvergütungen. Eine weitere Erhöhung zum 1. Januar 2026 ist in den geprüften Quellen nicht belegt. Einzelne Betriebe zahlen übertariflich. Ob Ihr Betrieb tarifgebunden ist, steht im Ausbildungsvertrag.
Der Tarifvertrag zu den Löhnen hat eine Laufzeit von 24 Monaten. Die Branchenmindestlöhne gelten seit Februar 2025 per Verordnung auch für nicht tarifgebundene Betriebe. Für die Ausbildungsvergütung dienen die Tarifsätze als Orientierung, verbindlich ist der Ausbildungsvertrag.
Wie sieht die Prüfung aus?
Die Ausbildung endet mit der Gesellenprüfung vor der Handwerkskammer. Die Gesellenprüfung ist nach § 8 der Verordnung gestreckt und besteht aus zwei Teilen: Teil 1 findet im vierten Ausbildungshalbjahr statt, Teil 2 am Ende der Ausbildung. Teil 1 zählt mit 30 Prozent. Teil 2 umfasst vier Prüfungsbereiche: Anwenden von Grund- und Außenreinigungsverfahren (25 Prozent), Durchführen von Hygienemaßnahmen (15 Prozent), Reinigen, Pflegen und Konservieren von Oberflächen (20 Prozent) sowie Wirtschafts- und Sozialkunde (10 Prozent). Die Gewichtung steht in § 17, dort stehen auch die Bestehensregeln.
Geprüft werden praktische Aufgaben, etwa die Reinigung unterschiedlicher Oberflächen, sowie fachtheoretische Kenntnisse. Berufsschule und Betrieb bereiten darauf vor. Details zu Prüfungsstücken und Fristen veröffentlichen die Prüfungsausschüsse der Kammern.
Gehalt nach der Ausbildung und Weiterbildung
Nach der Ausbildung wird nach dem Rahmentarifvertrag bezahlt. Die Branchenmindestlöhne betragen seit dem 1. Januar 2026 15,00 Euro in der Lohngruppe 1 (Innen- und Unterhaltsreinigung) und 18,40 Euro in der Lohngruppe 6 (Glas- und Fassadenreinigung). Gesellen, die nach Einführung des Rahmentarifvertrags am 1. November 2019 neu eingestellt wurden, fallen in die Lohngruppe 6. Eine Monatsrechnung finden Sie im Artikel zum Gehalt.
Wer sich weiterentwickeln will, hat mehrere Wege:
| Weg | Kurzbeschreibung |
|---|---|
| Meister im Gebäudereiniger-Handwerk | Vorbereitungslehrgang Teil I und II mit 436 Stunden, Förderung über Aufstiegs-BAföG möglich |
| Objektleiter | Leitung von Reinigungsobjekten und Teams beim Dienstleister |
| Selbstständigkeit | Gebäudereiniger ist ein zulassungsfreies Handwerk, eine Meisterpflicht besteht nicht |
| Spezialisierung | zum Beispiel Fassaden, Industrie, Hygiene im Gesundheitswesen |
Ein Beispiel für die Kosten des Meisterwegs: Die Handwerkskammer Cottbus nennt für ihren Kombinationslehrgang 2026 mit 436 Stunden Teilnahmegebühren von 1.150 Euro für Teil I (Fachpraxis) und 3.800 Euro für Teil II (Fachtheorie), jeweils zuzüglich Prüfungsgebühren. Die betriebswirtschaftlichen und berufs- und arbeitspädagogischen Teile kommen separat hinzu, ihre Gebühren legt jede Kammer selbst fest. Vom Aufstiegs-BAföG werden Lehrgangs- und Prüfungsgebühren bis maximal 15.000 Euro gefördert, die Hälfte als Zuschuss, der Rest über ein optionales KfW-Darlehen. Mehr dazu im Artikel zum Gebäudereiniger-Meister.
Auch ohne Meisterbrief ist ein Aufstieg im Betrieb möglich, etwa zum Vorarbeiter oder Objektleiter. Die Bezahlung richtet sich dann nach der Tätigkeit und der Lohngruppe oder einer betrieblichen Vereinbarung.
Alltag in der Ausbildung und Einsatzfelder danach
Im Betrieb arbeiten Auszubildende mit erfahrenen Gesellen auf Objekten der Kunden: Büros, Praxen, Schulen, Wohnanlagen, Produktionshallen oder Fahrzeugen. Sie lernen, Arbeitsabläufe zu planen, Maschinen einzustellen und Reinigungsmittel nach Datenblatt zu dosieren. Gefahrstoffe, Leitern und Hubarbeitsbühnen erfordern regelmäßige Unterweisungen, die der Betrieb nachweisen muss.
In der Berufsschule kommen Fachtheorie, Mathematik, Chemie und Wirtschaftskunde hinzu. Wie der Unterricht organisiert ist, ob wöchentlich oder in Blöcken, legt das jeweilige Bundesland und die Schule fest. Berufsschulpflicht und Freistellung regeln das Berufsbildungsgesetz und die Schulgesetze der Länder.
Wer einen Beruf mit klarem Bezug zu Hygiene sucht, findet in der Ausbildung Berührungspunkte zu Krankenhaus, Lebensmittelproduktion und Schwimmbad. Wer lieber draußen oder in der Höhe arbeitet, kann sich auf Fassaden und Glasflächen konzentrieren.
Die Bundesagentur für Arbeit nennt als Beschäftigungsbetriebe:
- Gebäudereinigungsunternehmen und Betriebe der Immobilienwirtschaft, zum Beispiel Facility-Management und Hausmeisterdienste
- Dienstleister für die Reinigung von Verkehrsmitteln
- Betriebe für Desinfektion und Schädlingsbekämpfung
- Unternehmen für Industriereinigung und Glasreinigung sowie Baufirmen
Gearbeitet wird meist in Räumen der Kunden, in Fahrzeugen, im Freien und auf Baustellen oder in Werk- und Produktionshallen. Wer später selbst Verantwortung übernehmen will, kann im Betrieb zum Vorarbeiter oder Objektleiter aufsteigen oder ein eigenes Unternehmen gründen.
Wichtig für die Planung: Die Ausbildung ist körperlich fordernd, bietet aber durch die Vielfalt der Einsatzorte Abwechslung. Wer in einem Betrieb mit mehreren Objektarten ausgebildet wird, lernt mehr Techniken kennen als in einem Betrieb, der sich auf eine Objektart spezialisiert. Fragen Sie im Vorstellungsgespräch nach den Objektarten, nach dem Maschinenpark und nach der Betreuung durch einen Ausbilder.
Der Betrieb braucht eine Ausbildungsberechtigung. Die Handwerkskammer führt das Verzeichnis der Ausbildungsverhältnisse und prüft die Eignung der Ausbildungsstätte. Das schützt Sie als Auszubildende vor Betrieben, die nur Hilfskräfte suchen.
Selbstständig mit Gesellenbrief: Was gilt rechtlich?
Gebäudereiniger steht in Anlage B Abschnitt 1 der Handwerksordnung als Nummer 33 unter den zulassungsfreien Handwerken. Wer einen solchen Betrieb beginnt, muss das nach § 18 HwO unverzüglich der Handwerkskammer anzeigen, in deren Bezirk der Betrieb liegt. Ein Meisterbrief ist nicht erforderlich, kann aber für Kundenvertrauen, Ausbildungsberechtigung und größere Ausschreibungen von Vorteil sein. Weitere Pflichten wie Gewerbeanmeldung, Versicherungen und Steuern klären Kammer, Gewerbeamt und Steuerberater im Einzelfall. Der Artikel zur Gründung einer Reinigungsfirma erklärt die Schritte im Überblick.
Ausbildung oder Quereinstieg: Beispielrechnung
Reinigungskräfte können ohne Ausbildung einsteigen und arbeiten dann häufig in der Lohngruppe 1 der Innen- und Unterhaltsreinigung. Mit Gesellenbrief eröffnen sich die höher bewerteten Tätigkeiten. Gesellen, die nach dem 1. November 2019 neu eingestellt wurden, fallen laut Tarif in die Lohngruppe 6.
Rechenbeispiel, brutto: Der Unterschied zwischen 15,00 Euro (Lohngruppe 1) und 18,40 Euro (Lohngruppe 6) beträgt 3,40 Euro pro Stunde. Bei 169 Stunden im Monat sind das 574,60 Euro mehr, im Jahr 6.895,20 Euro vor Abzügen. Ob und wann ein Betrieb Sie in welche Gruppe einstuft, hängt vom Arbeitsvertrag und der tatsächlichen Tätigkeit ab.
Wer ohne Ausbildung einsteigt, kann Schritt für Schritt Qualifikationen nachholen. Wie das geht, beschreibt der Artikel zum Quereinstieg in den Reinigungsjob.
Beispielrechnung, keine Prognose: Eine Auszubildende beginnt im Herbst in einem tarifgebundenen Betrieb. Im ersten Jahr erhält sie 12 mal 1.000 Euro, im zweiten 12 mal 1.150 Euro, im dritten 12 mal 1.300 Euro, zusammen 41.400 Euro brutto über drei Jahre vor Abzügen. Nach der bestandenen Gesellenprüfung wird sie in eine Lohngruppe eingestuft. Welche das ist, hängt von ihrer Tätigkeit und dem Betrieb ab. Wer später den Meister anstrebt, plant für die Vorbereitungslehrgänge Gebühren ein, die je nach Kammer unterschiedlich ausfallen.
Alternative Zugangswege im Überblick:
- Klassische duale Ausbildung über drei Jahre mit Ausbildungsvergütung und Berufsschule
- Quereinstieg als Reinigungskraft und spätere externe Gesellenprüfung nach 4,5 Jahren Berufspraxis, sofern die Handwerkskammer zulässt
- Anlernen im Betrieb mit betrieblicher Qualifizierung, etwa zum Vorarbeiter, ohne formalen Abschluss
Welcher Weg passt, hängt von Alter, Vorerfahrung und finanzieller Situation ab. Wer jünger ist und Zeit für die Ausbildung hat, erhält mit dem Gesellenbrief die breiteste Grundlage. Wer bereits arbeitet und Verpflichtungen hat, prüft den Weg über die externe Prüfung und fragt die Kammer nach Vorbereitungskursen.
Ausbildungsvertrag, Probezeit und gesetzliche Mindestvergütung
Vor Beginn der Ausbildung muss der Betrieb die wesentlichen Vertragsinhalte in Textform festhalten (§ 11 BBiG) und Ihnen unverzüglich aushändigen. Dazu gehören der angestrebte Beruf, Beginn und Dauer, die tägliche Ausbildungszeit, die Probezeit, Höhe und Zahlungsweise der Vergütung, der Ausgleich von Überstunden, die Urlaubsdauer und die Kündigungsvoraussetzungen. Wer einen Vertrag ohne diese Angaben erhält, sollte vor der Unterschrift nachfragen.
Die Probezeit muss mindestens einen Monat und darf höchstens vier Monate betragen (§ 20 BBiG). Unabhängig vom Tarif sichert § 17 BBiG eine Mindestvergütung. Für Ausbildungen, die 2026 beginnen, gilt:
| Ausbildungsjahr | Gesetzliche Mindestvergütung (Beginn 2026) | Tarif im Gebäudereiniger-Handwerk |
|---|---|---|
| 1. Jahr | 724 Euro | 1.000 Euro |
| 2. Jahr | 854 Euro | 1.150 Euro |
| 3. Jahr | 977 Euro | 1.300 Euro |
Die Tarifwerte liegen deutlich darüber. Ein nicht tarifgebundener Betrieb darf die Tarifvergütung nach § 17 Abs. 4 BBiG in der Regel um höchstens 20 Prozent unterschreiten, nie aber die gesetzliche Mindestvergütung. Ein Angebot unter 724 Euro im ersten Jahr einer 2026 begonnenen Ausbildung ist damit nicht zulässig.
Berufsschule, Freistellung und Urlaub für Jugendliche
Nach § 15 BBiG müssen Betriebe Auszubildende für den Berufsschulunterricht freistellen und dürfen sie vor einem Unterricht, der vor 9 Uhr beginnt, nicht beschäftigen. Ein Berufsschultag mit mehr als fünf Unterrichtsstunden zu mindestens 45 Minuten wird einmal pro Woche freigestellt, bei Blockunterricht mit mindestens 25 Stunden an mindestens fünf Tagen die ganze Woche. Die Schulzeit wird auf die Ausbildungszeit angerechnet. Auch für Prüfungen und für den Arbeitstag unmittelbar vor der schriftlichen Abschlussprüfung besteht Anspruch auf Freistellung.
Für Auszubildende unter 18 Jahren gilt zusätzlich das Jugendarbeitsschutzgesetz. Der Mindesturlaub beträgt nach § 19 JArbSchG 30 Werktage bei Beginn des Kalenderjahres unter 16 Jahren, 27 Werktage unter 17 Jahren und 25 Werktage unter 18 Jahren. Die Eintragung des Ausbildungsverhältnisses in das Verzeichnis der Handwerkskammer (Lehrlingsrolle) ist für Auszubildende gebührenfrei (§ 28 HwO).
Ausbildung verkürzen oder verlängern
Nach § 8 BBiG kürzt die zuständige Stelle die Ausbildungsdauer auf gemeinsamen Antrag von Auszubildenden und Betrieb, wenn zu erwarten ist, dass das Ausbildungsziel in der kürzeren Zeit erreicht wird. Eine Verlängerung ist nur in Ausnahmefällen auf Antrag der Auszubildenden möglich, wenn sie zum Erreichen des Ausbildungsziels erforderlich ist, etwa nach längerer Krankheit. Beides klären Sie rechtzeitig mit dem Ausbildungsbetrieb und der Handwerkskammer.
Checkliste: Bewerbung und Start
- Betriebe in Ihrer Region mit Ausbildungsplatz suchen, etwa über die Lehrstellenbörse der Handwerkskammer und die Agentur für Arbeit
- Praktikum oder Probearbeiten vereinbaren, um Höhenarbeit und körperliche Belastung zu testen
- Ausbildungsvertrag auf Tarifbindung, Vergütung, Urlaub und Probezeit prüfen
- Berufsschule und Kammerzuständigkeit klären
- Arbeitskleidung, Schutzausrüstung und Unterweisungen beim Betrieb erfragen
- Eintragung des Ausbildungsverhältnisses bei der Handwerkskammer bestätigen lassen
Häufige Fehler bei der Berufswahl
- Beruf mit Hilfstätigkeit verwechseln: Die dreijährige Ausbildung ist ein anerkannter Handwerksberuf. Reinigungskräfte ohne Ausbildung arbeiten oft in Lohngruppe 1.
- Nur auf die Vergütung schauen: Betriebe unterscheiden sich bei Schwerpunkten, Betreuung und Übernahme.
- Tarifbindung nicht prüfen: Die Ausbildungsvergütung steht im Vertrag, nicht im Internet.
- Körperliche Anforderungen unterschätzen: Leitern, Gerüste und Hubarbeitsbühnen verlangen Schwindelfreiheit und Disziplin beim Arbeitsschutz.
- Weiterbildung nicht planen: Der Meisterbrief und das Aufstiegs-BAföG sind erreichbar, wenn Sie früh Kosten und Termine klären.
Häufige Fragen
Wie lange dauert die Ausbildung zum Gebäudereiniger?
Die Ausbildung dauert 3 Jahre. Sie ist dual aufgebaut und findet im Ausbildungsbetrieb und in der Berufsschule statt. Eine Verkürzung ist unter Umständen möglich und wird mit der Handwerkskammer abgestimmt.
Was verdient man als Azubi zum Gebäudereiniger?
Laut Tarif 1.000 Euro im ersten, 1.150 Euro im zweiten und 1.300 Euro im dritten Ausbildungsjahr pro Monat brutto (Stand der Tarifdaten ab 1. Januar 2025). Der Ausbildungsvertrag nennt den verbindlichen Betrag.
Welchen Schulabschluss braucht man für die Gebäudereiniger-Ausbildung?
Rechtlich ist keine bestimmte Schulbildung vorgeschrieben. Was Betriebe erwarten, entscheiden sie selbst. Hilfreich sind Grundkenntnisse in Mathematik, Chemie und Physik.
Ist die Gebäudereiniger-Ausbildung eine Handwerksausbildung?
Ja. Gebäudereiniger ist ein anerkannter Ausbildungsberuf im Handwerk. Die Prüfung ist eine Gesellenprüfung vor der Handwerkskammer.
Kann man nach der Ausbildung selbstständig werden?
Ja. Gebäudereiniger gehört zu den zulassungsfreien Handwerken nach Anlage B Abschnitt 1 der Handwerksordnung. Eine Meisterprüfung ist keine Voraussetzung. Der Betriebsbeginn ist der Handwerkskammer anzuzeigen.
Wie hoch ist das Gehalt nach der Ausbildung?
Der Branchenmindestlohn liegt 2026 bei 15,00 Euro in Lohngruppe 1 und 18,40 Euro in Lohngruppe 6. Die tatsächliche Eingruppierung hängt von der Tätigkeit ab. Hinweise zur Berechnung finden Sie im Artikel zum Gebäudereiniger-Gehalt.
Welche Weiterbildungen gibt es nach der Gesellenprüfung?
Möglich sind der Meister im Gebäudereiniger-Handwerk, Weiterbildungen zum Objektleiter, Spezialisierungen etwa in Fassaden oder Hygiene sowie die Selbstständigkeit. Der Meisterlehrgang kann über das Aufstiegs-BAföG gefördert werden.
Kann ich die Gesellenprüfung ohne Ausbildung ablegen?
Unter Umständen ja. Nach § 37 Abs. 2 HwO kann zur Gesellenprüfung zugelassen werden, wer mindestens das Eineinhalbfache der vorgeschriebenen Ausbildungszeit im Beruf tätig war. Bei drei Jahren Ausbildung sind das 4,5 Jahre. Zeiten in einem verwandten Handwerk und Berufszeiten im Ausland können berücksichtigt werden. Über die Zulassung entscheidet die Handwerkskammer.
Wie lange dauert die Probezeit in der Ausbildung?
Die Probezeit dauert mindestens einen Monat und höchstens vier Monate (§ 20 BBiG). Die genaue Dauer steht im Ausbildungsvertrag.
Wie viel Urlaub haben minderjährige Auszubildende?
Nach § 19 JArbSchG mindestens 30 Werktage unter 16 Jahren, 27 Werktage unter 17 Jahren und 25 Werktage unter 18 Jahren, jeweils bezogen auf das Alter zu Beginn des Kalenderjahres.
Quellen
- Bundesagentur für Arbeit, BERUFENET-Steckbrief Gebäudereiniger/in (Stand 03.08.2026)
- BIBB: Zeugniserläuterung Gebäudereiniger
- Land Mecklenburg-Vorpommern: Tarifdaten Gebäudereinigerhandwerk
- Deutsche Handwerks-Zeitung: Höherer Tariflohn in der Gebäudereinigung ab 2026
- IHK Oldenburg: Ausbildungsvergütung Gebäudereiniger
- lohn-info.de: Mindestlöhne in der Gebäudereinigung
- Handwerkskammer Cottbus: Meister im Gebäudereiniger-Handwerk (Stand Juli 2025)
- Aufstiegs-BAföG: Wie wird gefördert?
- Handwerksordnung (HwO), Anlage B Abschnitt 1 Nr. 33 Gebäudereiniger
- § 18 HwO: Anzeigepflicht zulassungsfreie Handwerke
- § 37 HwO: Zulassung zur Gesellenprüfung
- Gebäudereinigerausbildungsverordnung (GebReinAusbVO) vom 28.06.2019
- Berufsbildungsgesetz, § 11 Ausbildungsvertrag
- Berufsbildungsgesetz, § 17 Vergütung
- Mindestvergütung 2026, Bekanntmachung
- Berufsbildungsgesetz, § 20 Probezeit
- Berufsbildungsgesetz, § 15 Freistellung
- Berufsbildungsgesetz, § 8 Verkürzung und Verlängerung
- Jugendarbeitsschutzgesetz, § 19 Urlaub
- Handwerksordnung, § 28 Lehrlingsrolle
Zuletzt geprüft am 24.10.2026. Rechtliche und finanzielle Angaben können sich ändern.