Ratgeber · Karriere und Ausbildung · Stand 24.10.2026

Reinigungskraft Job als Quereinsteiger: Rechte, Lohn und Aufstieg

Als Reinigungskraft können Sie ohne Ausbildung einsteigen. In der Gebäudereinigung gilt seit dem 1. Januar 2026 ein Branchenmindestlohn von 15,00 Euro pro Stunde in der Innen- und Unterhaltsreinigung (Lohngruppe 1). Sie haben Anspruch auf mindestens 24 Werktage Urlaub und bis zu sechs Wochen Entgeltfortzahlung im Krankheitsfall.

Kann man ohne Ausbildung als Reinigungskraft arbeiten?

Ja. Für Tätigkeiten der Innen- und Unterhaltsreinigung ist keine abgeschlossene Ausbildung vorgeschrieben. Betriebe weisen neue Kräfte ein, unterweisen sie zu Arbeitsschutz und Reinigungsmitteln und setzen sie zunächst in einfachen Objekten ein. Wer sich bewährt, bekommt in der Regel mehr Verantwortung.

Der Branchenmindestlohn der Lohngruppe 1 gilt für Reinigung und Pflege von Gebäudeeinrichtungen, Möbeln, Bodenbelägen sowie Verkehrs- und Freiflächen einschließlich Winterdienst. Für Glas- und Fassadenreinigung gilt die Lohngruppe 6 mit 18,40 Euro. Dort ist mehr Qualifikation und Schulung nötig.

Was verdient eine Reinigungskraft als Quereinsteiger?

BeschäftigungStundenlohn mindestens (2026)Monatsbrutto (Rechnung)
Vollzeit, 39 Std./Woche, Lohngruppe 115,00 Euro2.535,00 Euro
Teilzeit, 20 Std./Woche, Lohngruppe 115,00 Eurorund 1.300 Euro
Vollzeit, Lohngruppe 6 (Glas und Fassade)18,40 Euro3.109,60 Euro

Die Monatswerte ergeben sich aus 39 Stunden mal 52 Wochen geteilt durch 12 Monate gleich 169 Stunden. Zuschläge sind nicht enthalten. Der gesetzliche Mindestlohn liegt 2026 bei 13,90 Euro, der Branchenmindestlohn hat Vorrang, wenn er höher ist.

Welche Rechte haben Reinigungskräfte?

  • Mindestlohn: Der Branchenmindestlohn gilt für alle Beschäftigten der Gebäudereinigung, auch in Teilzeit und Minijob.
  • Urlaub: Mindestens 24 Werktage pro Jahr bei einer Sechs-Tage-Woche. Bei anderer Verteilung der Arbeitstage ist der Anspruch entsprechend umzurechnen.
  • Krankheit: Entgeltfortzahlung bis zu sechs Wochen, wenn das Arbeitsverhältnis mindestens vier Wochen besteht.
  • Schutz: Der Arbeitgeber muss Schutzausrüstung und Unterweisungen zu Gefahrstoffen und Leitern bereitstellen.
  • Einsatzort: Für die Eingruppierung zählt die tatsächlich ausgeübte Tätigkeit.

Diese Hinweise ersetzen keine Rechtsberatung. Bei Streit helfen Betriebsrat, Gewerkschaft oder eine Beratungsstelle.

Beispiel: Urlaubstage umrechnen

Die 24 Werktage des Bundesurlaubsgesetzes beziehen sich auf eine Sechs-Tage-Woche, das entspricht vier Wochen Urlaub. Bei einer Fünf-Tage-Woche rechnen Sie 24 mal 5 geteilt durch 6 und erhalten 20 Urlaubstage. Bei drei Arbeitstagen pro Woche sind es 24 mal 3 geteilt durch 6, also 12 Tage. Tarif oder Vertrag können mehr vorsehen. Lassen Sie sich die Zahl der Urlaubstage im Vertrag nennen.

Wie steige ich auf?

  1. Erfahrung sammeln: verschiedene Objekte und Maschinen kennenlernen.
  2. Verantwortung übernehmen: Teamführung, Einarbeitung neuer Kräfte, Qualitätskontrolle.
  3. Gesellenprüfung extern: Nach § 37 Abs. 2 HwO ist eine Zulassung möglich, wenn Sie mindestens das Eineinhalbfache der Ausbildungszeit im Beruf tätig waren. Das sind bei drei Jahren 4,5 Jahre. Zeiten in einem verwandten Handwerk und Berufszeiten im Ausland können berücksichtigt werden, die Zeit kann unter Umständen ganz oder teilweise erlassen werden. Die Handwerkskammer entscheidet.
  4. Meister: Der Lehrgang mit 436 Stunden richtet sich an Gesellen und Facharbeiter. Förderung bietet das Aufstiegs-BAföG.
  5. Selbstständigkeit: Gebäudereiniger ist ein zulassungsfreies Handwerk, Anzeige bei der Handwerkskammer genügt.

Welche Vorteile und Nachteile hat der Quereinstieg?

Vorteile: schneller Start ohne Ausbildung, flexible Arbeitszeiten in vielen Objekten, Teilzeit und Minijob möglich, Aufstiegschancen bei Zuverlässigkeit. Der Branchenmindestlohn sichert eine Untergrenze, die über dem gesetzlichen Mindestlohn liegt.

Nachteile: körperlich belastende Arbeit, häufig Früh- oder Spätdienste, Einsatz an wechselnden Objekten, geringere Bezahlung in der Lohngruppe 1 als bei Gesellen. Wer langfristig mehr verdienen will, sollte die Gesellenprüfung anstreben oder einen Spezialbereich erlernen.

Die Differenz zwischen Lohngruppe 1 und Lohngruppe 6 beträgt 3,40 Euro pro Stunde, das sind bei 169 Stunden rund 575 Euro brutto im Monat.

Welche Weiterbildungen und Schulungen helfen?

  • Betriebliche Unterweisungen zu Gefahrstoffen, Leitern und Maschinen, die der Arbeitgeber organisieren muss
  • Schulungen zu Hygiene, etwa in Krankenhaus oder Lebensmittelbetrieb
  • Vorarbeiter- oder Teamleiterqualifizierung im Betrieb
  • Externe Gesellenprüfung bei der Handwerkskammer nach 4,5 Jahren Berufspraxis
  • Meisterlehrgang für Gesellen und Facharbeiter

Fragen Sie bei Ihrem Arbeitgeber nach internen Qualifizierungen und lassen Sie sich Teilnahmen schriftlich bestätigen. Die Handwerkskammer berät zu Anerkennung und Prüfungszulassung.

Arbeitsvertrag, Probezeit und Kündigung

Auch bei einem einfachen Einstieg muss der Arbeitgeber die wesentlichen Vertragsbedingungen schriftlich festhalten, unterzeichnen und aushändigen (§ 2 NachwG). Die Fristen sind gestaffelt:

SpätestensPflichtangaben (Auswahl)
Am ersten ArbeitstagNamen der Parteien, Zusammensetzung und Höhe des Entgelts, vereinbarte Arbeitszeit, Pausen und Ruhezeiten
Am siebten KalendertagBeginn, Arbeitsort, Beschreibung der Tätigkeit, Dauer der Probezeit
Nach einem MonatUrlaubsdauer, Kündigungsverfahren und Kündigungsfristen, Hinweis auf anwendbare Tarifverträge

Bei wechselnden Einsatzorten muss der Vertrag darauf hinweisen. Die Probezeit darf höchstens sechs Monate betragen, in dieser Zeit gilt eine Kündigungsfrist von zwei Wochen (§ 622 Abs. 3 BGB). Danach beträgt die Grundkündigungsfrist vier Wochen zum 15. oder zum Ende eines Kalendermonats (§ 622 Abs. 1 BGB). Fehlen Angaben zum Lohn oder zur Lohngruppe, verlangen Sie die Ergänzung schriftlich.

Arbeitszeit, Pausen und Ruhezeit im Alltag

Reinigungskräfte arbeiten oft in Früh- oder Spätdiensten. Das Arbeitszeitgesetz begrenzt die tägliche Arbeitszeit auf acht Stunden, bis zehn Stunden sind nur mit Ausgleich möglich. Bei mehr als sechs bis neun Stunden Arbeit sind mindestens 30 Minuten Pause vorgeschrieben, bei mehr als neun Stunden 45 Minuten, und zwischen zwei Arbeitstagen müssen mindestens elf Stunden Ruhezeit liegen. Wer an mehreren Objekten am Tag arbeitet, sollte klären, ob Wegezeiten zwischen den Objekten als Arbeitszeit gelten, und das im Vertrag festhalten lassen. Notieren Sie Beginn, Ende und Pausen für jeden Einsatz, auch wenn der Arbeitgeber dokumentieren muss.

Checkliste für den ersten Arbeitstag

  • Schriftlicher Vertrag mit Stundenlohn, Lohngruppe, Arbeitszeit und Pausen liegt vor
  • Einweisung in Reinigungsmittel, Maschinen und Leitern ist erfolgt, Schutzausrüstung ist ausgegeben
  • Ansprechpartner im Objekt und Vertretung bei Krankheit sind bekannt
  • Dienstplan mit Einsatzorten und Wegezeiten liegt vor
  • Eigene Notizen zu Beginn, Ende und Pausen sind eingerichtet

Worauf sollte ich beim Jobangebot achten?

  • Stundenlohn und Lohngruppe im Vertrag, nicht nur ein Monatsbetrag
  • Arbeitszeit, Einsatzorte, Wegezeiten und Zuschläge
  • Einarbeitung und Unterweisung, Arbeitskleidung, Schutzausrüstung
  • Kündigungsfristen und Probezeit
  • Schriftlicher Vertrag statt mündlicher Absprache

Ein Hinweis zur Vorsicht: Angebote, die unter 15,00 Euro pro Stunde für Innenreinigung liegen, verstoßen im Gebäudereiniger-Handwerk gegen den Branchenmindestlohn.

Häufige Fragen

Brauche ich eine Ausbildung, um als Reinigungskraft zu arbeiten?

Nein. Für Innen- und Unterhaltsreinigung ist keine abgeschlossene Ausbildung vorgeschrieben. Eine Einweisung durch den Betrieb ist üblich.

Wie viel Mindestlohn gilt für Reinigungskräfte?

Im Gebäudereiniger-Handwerk 15,00 Euro in Lohngruppe 1 und 18,40 Euro in Lohngruppe 6 seit 1. Januar 2026.

Wie viele Urlaubstage habe ich als Reinigungskraft?

Mindestens 24 Werktage pro Jahr nach dem Bundesurlaubsgesetz. Tarif oder Arbeitsvertrag können mehr vorsehen.

Kann ich vom Quereinsteiger zum Gebäudereiniger werden?

Ja, über die Ausbildung oder als Externe die Gesellenprüfung, wenn Sie genügend Berufspraxis nachweisen.

Gilt der Mindestlohn auch für Minijobs?

Ja. Der Branchenmindestlohn gilt für alle Beschäftigten, auch für geringfügig Beschäftigte.

Wie lange darf die Probezeit in der Reinigung dauern?

Höchstens sechs Monate. Während der Probezeit gilt eine Kündigungsfrist von zwei Wochen (§ 622 Abs. 3 BGB), sofern die Probezeit vereinbart ist.

Quellen

Zuletzt geprüft am 24.10.2026. Rechtliche und finanzielle Angaben können sich ändern.