Ratgeber · Gehalt und Weiterbildung · Stand 25.10.2026
Gebäudereiniger Ausbildungsvergütung 2026: Tarif je Lehrjahr
Die tarifliche Ausbildungsvergütung im Gebäudereiniger-Handwerk beträgt seit Januar 2025 monatlich 1.000 Euro im ersten, 1.150 Euro im zweiten und 1.300 Euro im dritten Ausbildungsjahr. Die gesetzliche Mindestvergütung liegt für Ausbildungsstarter 2026 bei 724 Euro im ersten Jahr und damit deutlich darunter. Wie es nach Ende des Lohntarifvertrags 2026 weitergeht, ist offen.
Hauptratgeber zum Thema Gehalt und Weiterbildung: Reinigungsberufe: Gehalt, Tarifgruppen und Weiterbildung 2026
Wie hoch ist die Ausbildungsvergütung je Lehrjahr?
Die Sätze stehen in § 5 des Lohntarifvertrags für die gewerblichen Beschäftigten in der Gebäudereinigung vom 15. November 2024. Sie gelten ab 1. Januar 2025 und lösen die früheren Beträge ab, die viele Übersichten noch zeigen.
| Ausbildungsjahr | bis Dezember 2024 | seit 1. Januar 2025 | Erhöhung |
|---|---|---|---|
| 1. Jahr | 900 Euro | 1.000 Euro | 100 Euro |
| 2. Jahr | 1.035 Euro | 1.150 Euro | 115 Euro |
| 3. Jahr | 1.200 Euro | 1.300 Euro | 100 Euro |
Addiert man die drei Monatsbeträge, ergeben sich 3.450 Euro. Über die gesamte Ausbildung sind es bei zwölf Zahlungen je Ausbildungsjahr 41.400 Euro brutto. Die Beträge sind Bruttowerte, Steuern und Sozialabgaben mindern die Auszahlung. Eine Sonderzahlung wie ein 13. Monatsgehalt sieht der Tarifvertrag nicht vor.
Welche gesetzliche Untergrenze gilt?
Nach § 17 Berufsbildungsgesetz muss jede Ausbildungsvergütung angemessen sein und mit fortschreitender Ausbildung mindestens jährlich steigen. Eine Mindestvergütung legt das Gesetz fest, sie wird jährlich fortgeschrieben, und das Bundesministerium für Bildung gibt die Höhe im Bundesgesetzblatt bekannt. Maßgeblich ist das Jahr des Ausbildungsbeginns.
| Ausbildungsbeginn | 1. Jahr | 2. Jahr | 3. Jahr |
|---|---|---|---|
| 2026 | 724 Euro | 854 Euro | 977 Euro |
| 2027 | 764 Euro | 902 Euro | 1.031 Euro |
Das zweite Jahr liegt 18 Prozent und das dritte Jahr 35 Prozent über dem Wert des ersten Jahres, gerundet nach den Regeln des Gesetzes. Die tariflichen Sätze übertreffen die Mindestvergütung 2026 um 276 Euro im ersten, 296 Euro im zweiten und 323 Euro im dritten Jahr, das entspricht im ersten Jahr rund 38 Prozent mehr. Die Sätze für 2027 sind am 7. Oktober 2026 im Bundesgesetzblatt bekannt gemacht worden (BGBl. 2026 I Nr. 287).
Gilt der Tarif auch ohne Tarifbindung?
Der Lohntarifvertrag bindet unmittelbar Arbeitgeber, die Mitglied im Bundesinnungsverband oder einer Innung sind, und Beschäftigte, die in der Gewerkschaft sind. Allgemeinverbindlich erklärt sind nach Angaben des Bundesinnungsverbands der Rahmentarifvertrag und der Mindestlohntarifvertrag mit den Lohngruppen 1 und 6. Die Ausbildungsvergütung steht im Lohntarifvertrag, für den die Quellen keine Allgemeinverbindlichkeit nennen. Trotzdem ist der Tarif auch für andere Betriebe ein Maßstab.
Nach § 17 Absatz 4 Berufsbildungsgesetz ist die vereinbarte Vergütung in der Regel nicht angemessen, wenn sie die Höhe einer im Geltungsbereich geltenden Tarifvergütung um mehr als 20 Prozent unterschreitet, auch wenn der Betrieb nicht tarifgebunden ist. Rechnerisch ergibt sich daraus eine Faustformel von etwa 800 Euro im ersten, 920 Euro im zweiten und 1.040 Euro im dritten Jahr. Ob eine Vergütung im Einzelfall angemessen ist, beurteilen die zuständige Handwerkskammer oder ein Gericht. Dieser Artikel ist keine Rechtsberatung.
Zur Veranschaulichung: Zahlt ein nicht tarifgebundener Betrieb im ersten Jahr 850 Euro, liegt das über der gesetzlichen Untergrenze von 724 Euro und über der Faustformel von 800 Euro. Bei 750 Euro wäre zwar die gesetzliche Untergrenze eingehalten, die Tarifvergütung aber um mehr als 20 Prozent unterschritten, sodass die Vergütung in der Regel nicht als angemessen gilt.
- Ausbildungsvertrag: Vergütung für jedes Jahr schriftlich festhalten lassen
- Zuständige Stelle: Die Handwerkskammer trägt den Vertrag ein und kann Fragen zur Angemessenheit beantworten
- Mehrarbeit: Zeiten über die vereinbarte tägliche Ausbildungszeit hinaus sind besonders zu vergüten oder durch Freizeit auszugleichen
Wie läuft die Ausbildung ab und was gehört zur Vergütung?
Die Ausbildung zum Gebäudereiniger dauert nach § 2 der Gebäudereinigerausbildungsverordnung drei Jahre. Die Gesellenprüfung umfasst zwei Teile: Teil 1 findet im vierten Ausbildungshalbjahr statt, Teil 2 am Ende der Ausbildung. Geprüft werden unter anderem Grund- und Außenreinigungsverfahren, Hygienemaßnahmen sowie das Reinigen, Pflegen und Konservieren von Oberflächen.
Der Jahresurlaub beträgt nach dem Rahmentarifvertrag 30 Arbeitstage auf Basis einer Fünf-Tage-Woche. Zeiten eines Berufsausbildungsverhältnisses zählen dabei als Beschäftigungszeiten. Jugendliche haben nach dem Jugendarbeitsschutzgesetz eigene Regeln für Arbeitszeit und Urlaub, die Sie bei Ihrer Handwerkskammer erfragen können. Sachleistungen dürfen nach dem Berufsbildungsgesetz nur bis 75 Prozent der Bruttovergütung angerechnet werden.
Vor Vertragsabschluss lohnt ein Blick in diese Punkte:
- Vergütung für jedes der drei Ausbildungsjahre im Vertrag ausgewiesen
- Urlaubstage und Arbeitszeiten, auch bei Einsätzen früh morgens oder abends
- Ausbildungsplan, der die Inhalte der Ausbildungsordnung abbildet
- Ausbildungsstätte und Berufsschule mit zumutbarem Fahrweg
Wie entwickelt sich das Gehalt nach der Ausbildung?
Nach bestandener Gesellenprüfung wechseln Absolventen vom Ausbildungs- ins Tarifgehalt. Laut Rahmentarifvertrag fallen neu eingestellte Gesellen in Lohngruppe 6. Die Tabelle rechnet mit 169 Stunden im Monat (39 Wochenstunden) und ohne Zuschläge.
| Stufe | Bruttobetrag im Monat | Unterschied zum 3. Ausbildungsjahr |
|---|---|---|
| 3. Ausbildungsjahr | 1.300,00 Euro | Ausgangswert |
| Geselle, Lohngruppe 6 (18,40 Euro pro Stunde) | 3.109,60 Euro | 1.809,60 Euro mehr |
| Geselle mit Ausbildereignungsprüfung, Lohngruppe 8 (20,42 Euro) | 3.450,98 Euro | 2.150,98 Euro mehr |
Die Bundesagentur für Arbeit nennt für die Berufsgattung der Gebäudereiniger einen Median von 2.776 Euro brutto im Monat für Vollzeitbeschäftigte (Stichtag 31. Dezember 2025). Der Wert umfasst auch Beschäftigte in niedrigeren Lohngruppen und liegt deshalb unter dem Tarifwert für Gesellen.
Hinzu kommen Zuschläge, wenn Sie nachts oder am Wochenende reinigen: 30 Prozent für Nachtarbeit zwischen 22 und 5 Uhr und 80 Prozent für Sonn- und Feiertagsarbeit, jeweils aus dem Stundenlohn berechnet. Vor allem in Objekten mit Reinigung vor Geschäftsöffnung oder nach Betriebsschluss wirkt sich das spürbar auf die Abrechnung aus.
Was ändert sich 2027 für Auszubildende und Ausbildungsbetriebe?
Der Lohntarifvertrag ist erstmals zum 31. Dezember 2026 kündbar, die Tarifverhandlungen laufen. Die IG BAU fordert zwei Euro mehr pro Stunde für alle Lohngruppen. Zur Ausbildungsvergütung nennen die veröffentlichten Quellen keine Forderung und kein Angebot, ob und wie sie 2027 angepasst wird, ist offen. Neue Verträge sollten deshalb einen Hinweis auf die tarifliche Entwicklung enthalten.
Der gesetzliche Mindestlohn von 14,60 Euro ab 2027 gilt nicht für Auszubildende, denn das Mindestlohngesetz regelt die Vergütung der zu ihrer Berufsausbildung Beschäftigten nicht. Für Ausbildungsbetriebe heißt das: Prüfen Sie neben dem Tarif auch die gesetzliche Mindestvergütung des jeweiligen Beginnjahres und halten Sie die Eintragung bei der Handwerkskammer aktuell.
Für Auftraggeber und Hausverwaltungen ist die Ausbildungsquote ein Kriterium bei der Auswahl von Dienstleistern, ersetzt aber keine Prüfung der Mindestlohnzahlung.
Häufige Fragen
Wie viel verdient ein Azubi als Gebäudereiniger im ersten Lehrjahr?
Tariflich sind es seit 1. Januar 2025 monatlich 1.000 Euro brutto. Die gesetzliche Mindestvergütung für Ausbildungsstarter 2026 liegt bei 724 Euro im ersten Jahr.
Wie hoch ist die Ausbildungsvergütung im dritten Lehrjahr?
Im dritten Ausbildungsjahr beträgt die tarifliche Vergütung 1.300 Euro brutto im Monat. Die gesetzliche Untergrenze für Beginn 2026 liegt bei 977 Euro.
Müssen alle Betriebe die tarifliche Ausbildungsvergütung zahlen?
Unmittelbar gilt sie für tarifgebundene Betriebe. Nicht tarifgebundene Betriebe dürfen sie in der Regel nicht um mehr als 20 Prozent unterschreiten und müssen mindestens die gesetzliche Mindestvergütung zahlen.
Wie lange dauert die Ausbildung zum Gebäudereiniger?
Die Ausbildung dauert drei Jahre. Teil 1 der Gesellenprüfung findet im vierten Ausbildungshalbjahr statt, Teil 2 am Ende.
Wie viel verdiene ich direkt nach der Ausbildung?
Neu eingestellte Gesellen fallen laut Rahmentarifvertrag in Lohngruppe 6 mit 18,40 Euro pro Stunde, bei 169 Stunden sind das 3.109,60 Euro brutto im Monat ohne Zuschläge.
Quellen
- BIV: Lohntarifvertrag Gebäudereinigung vom 15. November 2024 (§ 5 Ausbildungsvergütungen)
- BIV: Rahmentarifvertrag Gebäudereinigung vom 31. Oktober 2019
- Deutsche Handwerks Zeitung: Ausbildungsvergütungen Gebäudereinigung
- Berufsbildungsgesetz, § 17 Vergütungsanspruch und Mindestvergütung
- BIBB: Mindestausbildungsvergütung steigt 2027 auf 764 Euro
- Gebäudereinigerausbildungsverordnung, § 2 Dauer der Berufsausbildung
- Gebäudereinigerausbildungsverordnung, § 8 Aufteilung der Gesellenprüfung
- Mindestlohngesetz, § 22 Persönlicher Anwendungsbereich
- Bundesagentur für Arbeit: Entgeltatlas Gebäudereiniger/in
- IG BAU: Zweite Verhandlungsrunde ohne Ergebnis (22.10.2026)
- Bundesregierung: Fragen und Antworten zum Mindestlohn
- Bekanntmachung zur Mindestausbildungsvergütung 2027
Zuletzt geprüft am 25.10.2026. Rechtliche und finanzielle Angaben können sich ändern.