Ratgeber · Vergleiche und Begriffe · Stand 25.10.2026

Chemischreinigung oder Nassreinigung: Verfahren, Pflegesymbole und Eignung nach Textil

Die Chemischreinigung reinigt ohne Wasser mit Lösemitteln, die Nassreinigung mit Wasser und Waschmittel in speziellen Maschinen. Welches Verfahren passt, steht im Pflegeetikett: Ein Kreis mit P oder F bedeutet Lösemittelreinigung, ein Kreis mit W professionelle Nassreinigung. Bei Seide, Wolle oder Fettflecken ist meist die Lösemittelreinigung gefragt, bei pflegeleichten Synthetik- und Outdoortextilien oft die Nassreinigung.

Was ist der Unterschied zwischen Chemischreinigung und Nassreinigung?

Der Begriff Chemischreinigung führt in die Irre. Nach Angaben der Wirtschaftskammer Österreich löst sich der Schmutz dabei durch einen physikalischen, nicht durch einen chemischen Vorgang. Gemeint ist die Trockenreinigung mit organischen Lösemitteln, also ohne Wasser. Die Wirtschaftskammer Österreich beschreibt das Verfahren als schonend.

Bei der Nassreinigung wird mit Wasser und Waschmittel gearbeitet, aber nicht wie in der Haushaltswaschmaschine. Professionelle Maschinen lassen Wasserstand, Temperatur sowie Wasch- und Schleuderprogramm genau einstellen. Nach Angaben der Wirtschaftskammer Österreich, der Branchenvertretung, verbraucht die professionelle Nasswäsche gegenüber dem Haushaltswaschen rund 25 Prozent weniger Energie, 50 Prozent weniger Wasser und 60 Prozent weniger Waschmittel.

Welche Lösemittel gibt es und was bedeuten P, F und W?

In der Lösemittelreinigung sind zwei Stoffgruppen verbreitet. Perchlorethylen (Per) gilt als das verbreitetste Mittel. Laut Stiftung Warentest (Artikel von 2014) arbeiten rund 70 Prozent der Reinigungen mit Per, es ist nicht brennbar und löst Fett und Wachs gut. Es reizt Augen und Atemwege und steht im Verdacht, krebserregend zu sein. Seit 1991 darf Per nur in geschlossenen Anlagen verwendet werden, die die Kleidung auch trocknen. Kohlenwasserstofflösemittel (KWL) sind leicht brennbar, was besondere Sicherheitsmaßnahmen verlangt, gelten aber als schonender für empfindliche Textilien.

Symbol im PflegeetikettBedeutung
Kreis mit PReinigung mit Perchlorethylen (und Kohlenwasserstoff) möglich
Kreis mit FReinigung mit Kohlenwasserstoff
Kreis mit Wprofessionelle Nassreinigung
Ein Strich unter dem Kreisschonende Behandlung, weniger mechanische Beanspruchung
Zwei Striche unter dem Kreissehr schonende Behandlung
Durchgestrichener Kreisnicht professionell reinigen

Das Etikett richtet sich nach dem Hersteller. Fehlt es oder ist es unvollständig, entscheidet der Betrieb nach Gewebe und Verarbeitung. Fragen Sie in diesem Fall nach, bevor Sie das Teil abgeben. Auch Beschichtungen, Verklebungen und Zierteile können die Wahl des Verfahrens beeinflussen, und selbst Fachleute können oft nicht sicher beurteilen, ob sie reinigungsbeständig sind.

Welches Verfahren eignet sich für welches Textil?

Die Wahl hängt von Material, Verschmutzung und Verarbeitung ab. Die folgende Zuordnung stützt sich auf Angaben von Stiftung Warentest und Wirtschaftskammer Österreich und ist eine Orientierung, keine Garantie.

Textil oder FleckEher geeignet
Wolle, Seide, Leinen, Fett- und WachsfleckenLösemittelreinigung mit Perchlorethylen
Feine Abendkleidung, Drucke, Teile mit Nicht-TextilanteilenLösemittelreinigung mit Kohlenwasserstoff
Pflegeleichte Synthetik, Funktions- und OutdoorbekleidungNassreinigung, vor allem mit Etikett W

Nach Stiftung Warentest eignet sich die Nassreinigung allgemein für Textilien mit mindestens 30 Prozent Kunstfaseranteil. Ein fehlendes W schließt das Verfahren nicht automatisch aus, der Betrieb sollte dann aber ausdrücklich beraten. Die Nassreinigung ist in Deutschland laut Stiftung Warentest (Stand 2014) noch nicht überall zu finden, fragen Sie in Ihrer Region nach.

Wie umweltfreundlich sind die Verfahren?

Die Nassreinigung kommt ohne Lösemittel aus. Betriebe, die sie anbieten, können nach Angaben von Stiftung Warentest das Umweltzeichen Blauer Engel erhalten. Die Lösemittelreinigung arbeitet in geschlossenen Kreisläufen: Das Lösemittel wird gefiltert, destilliert und wiederverwendet, Rückstände werden als Schlamm extern entsorgt. Die Wirtschaftskammer Österreich bezeichnet das KWL-Verfahren als derzeit umweltfreundlichstes Trockenreinigungsverfahren. Flüssiges Kohlendioxid hat sich laut Stiftung Warentest nicht durchgesetzt.

Aus Umweltsicht gilt außerdem: Nicht jedes Kleidungsstück muss in die Reinigung. Was als waschbar gekennzeichnet ist, wird zu Hause gewaschen.

Wer haftet, wenn die Reinigung ein Kleidungsstück beschädigt?

Der Bundesgerichtshof hat mit Urteil vom 4. Juli 2013 (VII ZR 249/12) Haftungsklauseln von Textilreinigungen für unwirksam erklärt, die die Haftung bei leichter Fahrlässigkeit auf das Fünfzehnfache des Reinigungspreises begrenzten. Auch eine Begrenzung auf den Zeitwert hielt der BGH für unzulässig, weil Kundinnen und Kunden ein gleichwertiges Kleidungsstück neu beschaffen können sollen. Das Urteil betrifft Verbraucherverträge. Verwendet ein Betrieb noch die alte Klausel, kann er sich nach Hinweis der Verbraucherzentrale Niedersachsen nicht darauf berufen.

Schwieriger ist der Nachweis. Im Streit kommt es darauf an, ob der Schaden bei der Reinigung entstanden ist oder auf Material, Verarbeitung, Pflegekennzeichnung oder einen Vorschaden zurückgeht. Halten Sie deshalb Belege bereit. So gehen Sie vor:

  • Beim Abholen das Teil im Laden prüfen und Mängel sofort melden.
  • Den Schaden und das Pflegeetikett fotografieren und die Quittung aufbewahren.
  • Den Betrieb schriftlich zur Stellungnahme und zu Ersatz auffordern.
  • Bei Streit eine Verbraucherzentrale oder Schlichtungsstelle einschalten.

Das ist keine Rechtsberatung im Einzelfall. Bei hohen Schäden hilft eine Beratung durch Verbraucherzentrale oder Anwalt.

Wann lohnt sich welches Verfahren, wann die Haushaltswäsche?

Wolle, Seide, Leinen und fett- oder wachshaltige Flecken sind laut Stiftung Warentest Stärken der Reinigung mit Per, feine Abendkleidung und Teile mit Aufdrucken oder nicht-textilen Bestandteilen Fälle für KWL. Pflegeleichte Synthetik und Outdoorbekleidung eignen sich für die Nassreinigung, vor allem wenn das W im Etikett steht. Hemden, die als waschbar gekennzeichnet sind, können Sie selbst waschen oder vom Betrieb waschen lassen. Preise nennen wir hier nicht pauschal, sie unterscheiden sich je Betrieb und Teil, und eine Preisliste mit Ab-Preisen sagt wenig über den Endbetrag, weil Material, Futter und Handarbeit ihn bestimmen. Veröffentlichte Preislisten finden Sie bei den Betrieben vor Ort, Beispiele und Spannen stehen im Ratgeber zu den Textilreinigung-Preisen.

Wer als Betrieb mit Per reinigt, braucht seit 1991 geschlossene Anlagen. Das ist auch für Beschäftigte in der Textilreinigung ein Berufsfeld mit Fachwissen zu Fasern, Lösemitteln und Maschinen. Für Unternehmen, die Berufskleidung, Tischwäsche oder Vorhänge reinigen lassen, gilt dasselbe Prinzip: Fragen Sie den Betrieb, welches Verfahren er für Ihr Material vorsieht, und lassen Sie sich Pflegehinweise des Herstellers mitgeben.

Checkliste vor der Abgabe

  • Pflegeetikett lesen und das Symbol im Kreis notieren.
  • Taschen leeren, lose Knöpfe und Zierteile melden.
  • Vorhandene Flecken zeigen und sagen, woher sie stammen.
  • Bei Leder, Pelz oder Beschichtungen ausdrücklich nach Erfahrung mit dem Material fragen.
  • Annahmebeleg mit Beschreibung des Teils aufbewahren.

Häufige Fragen

Was bedeutet das P im Kreis auf dem Etikett?

Das P im Kreis steht für die Reinigung mit Perchlorethylen. Ein Kreis mit F bedeutet Reinigung mit Kohlenwasserstoff, ein Kreis mit W professionelle Nassreinigung.

Ist Nassreinigung schonender als Chemischreinigung?

Nicht grundsätzlich. Die Nassreinigung eignet sich für pflegeleichte Synthetik und Outdoorbekleidung. Wolle, Seide und Fettflecken werden meist mit Lösemitteln gereinigt. Entscheidend ist das Pflegeetikett.

Kann ich ein Kleidungsstück ohne W-Symbol nassreinigen lassen?

Nicht automatisch. Stiftung Warentest nennt Textilien mit mindestens 30 Prozent Kunstfaser als geeignet für die Nassreinigung. Fragen Sie den Betrieb und lassen Sie sich beraten.

Wer zahlt, wenn die Reinigung mein Kleidungsstück zerstört?

Wenn der Betrieb den Schaden zu verantworten hat, sind nach dem BGH-Urteil vom 4. Juli 2013 Haftungsbegrenzungen auf das Fünfzehnfache des Reinigungspreises oder auf den Zeitwert in Verbraucherverträgen unwirksam.

Ist Perchlorethylen gefährlich?

Perchlorethylen reizt laut Stiftung Warentest Augen und Atemwege und steht im Verdacht, krebserregend zu sein. Seit 1991 darf es nur in geschlossenen Anlagen verwendet werden.

Quellen

Zuletzt geprüft am 25.10.2026. Rechtliche und finanzielle Angaben können sich ändern.