Ratgeber · Vergleiche und Begriffe · Stand 25.10.2026

Desinfektion oder Reinigung: Unterschied, Sterilisation und Wirkbereiche erklärt

Reinigung entfernt Schmutz, Desinfektion verringert die Zahl krankmachender Keime gezielt, Sterilisation beseitigt alle vermehrungsfähigen Keime einschließlich Sporen. Im Privathaushalt reicht nach Auffassung des Bundesinstituts für Risikobewertung die normale Reinigung, Desinfektion ist nur in begründeten Ausnahmefällen sinnvoll. In Praxen, Pflege und Küchen legt der Hygieneplan fest, wo desinfiziert wird.

Reinigung, Desinfektion und Sterilisation: die Begriffe

Die drei Begriffe werden im Alltag oft vermischt, bezeichnen aber unterschiedliche Ziele. Reinigung beseitigt sichtbare und anhaftende Verunreinigungen und damit einen Teil der Mikroorganismen, sie ist Voraussetzung für wirksame Desinfektion. Desinfektion ist nach dem Glossar der Gemeinde Egelsbach ein Prozess, durch den die Anzahl vermehrungsfähiger Mikroorganismen durch Abtöten oder Inaktivieren unter Angabe eines standardisierten, quantifizierbaren Wirkungsnachweises verringert wird. Ziel ist ein Zustand, in dem von der Fläche keine Infektionsgefährdung mehr ausgeht. Nicht Ziel ist die Beseitigung aller harmlosen Umweltkeime.

VerfahrenZielTypische Anwendung
ReinigungSchmutz und Verunreinigungen entfernenAlltag in Haushalt, Büro, Treppenhaus
DesinfektionKeimzahl so verringern, dass keine Infektionsgefahr mehr gegeben istPraxis, Pflege, Küche, Sanitär bei besonderem Anlass
Sterilisationalle vermehrungsfähigen Keime einschließlich Sporen beseitigenInstrumente, die Haut oder Schleimhaut durchdringen

Reihenfolge und Abstimmung sind wichtig: Erst die Reinigung entfernt grobe Verunreinigungen, die die Wirkung eines Desinfektionsmittels mindern könnten. Bei desinfizierender Reinigung erfolgt beides in einem Arbeitsgang, dafür gelten besondere Anforderungen an das Mittel.

Bei Medizinprodukten richten sich die Anforderungen nach dem Risiko: Nach der Einstufung der Kommission für Krankenhaushygiene (Spaulding-Kriterien) ist für kritische Instrumente, die Haut oder Schleimhaut durchdringen und mit Blut in Berührung kommen, die Sterilisation zwingend. In der Gebäudereinigung spielt sie keine Rolle.

Was bedeuten die Wirkbereiche A, B, C und D?

Desinfektionsmittel unterscheiden sich im Wirkungsspektrum. Die Liste der vom Robert Koch-Institut geprüften und anerkannten Desinfektionsmittel (18. Ausgabe, Stand 27. Januar 2026) kennzeichnet es mit Buchstaben. Die Liste gilt für Desinfektionsmaßnahmen, die nach § 18 Infektionsschutzgesetz behördlich angeordnet werden.

WirkungsbereichBedeutung nach RKI-Liste
Ageeignet zur Abtötung von vegetativen Bakterien einschließlich Mykobakterien sowie von Pilzen einschließlich Pilzsporen
Bgeeignet zur Inaktivierung von Viren, entspricht der Bezeichnung viruzid
Cgeeignet zur Abtötung von Sporen des Milzbranderregers
Dgeeignet zur Abtötung von Sporen der Erreger von Gasödem und Wundstarrkrampf, dafür sind Sterilisationsverfahren anzuwenden

Daneben unterscheidet die Liste bei Viren die Stufen begrenzt viruzid (wirksam gegen behüllte Viren) und viruzid (wirksam gegen behüllte und unbehüllte Viren). Welches Spektrum Sie brauchen, hängt vom Einsatzort und vom Hygieneplan ab. Für vorbeugende Desinfektion verweist das RKI auf die Liste des Verbunds für Angewandte Hygiene.

Desinfizierende Reinigung: Reinigen und Desinfizieren in einem Arbeitsgang

In der Gebäudereinigung wird häufig desinfizierend gereinigt. Reinigungsprozess und Desinfektion erfolgen dann in einem Arbeitsgang mit einem Desinfektionsreiniger. Die Mittel müssen nach dem Glossar der Gemeinde Egelsbach ausdrücklich für diesen Zweck deklariert sein, weil sich Einzelkomponenten sonst beeinflussen können. Die Fläche wird mit ausreichend Mittel unter leichtem Druck abgerieben, das nennt man Scheuer-Wisch-Desinfektion.

  • Die angegebene Konzentrations-Zeit-Relation muss genau eingehalten werden.
  • Die Lösung muss einen geschlossenen Feuchtigkeitsfilm hinterlassen und darf in der Einwirkzeit nicht nachgetrocknet werden.
  • Es sollen keine Keime verschleppt werden, dafür helfen Tuchwechselsysteme und frische Tücher.
  • Bei sichtbarer Kontamination mit Blut oder Körperflüssigkeiten wird zuerst das Material mit einem getränkten Einwegtuch aufgenommen, mit Handschuhen, danach wird die Fläche desinfiziert.

Unterschieden werden die routinemäßige Desinfektion, die Verbreitung von Krankheitserregern einschränkt, und die gezielte Desinfektion bei erkennbarer Kontamination, Ausbrüchen oder Schlussdesinfektion nach der Behandlung infizierter Personen.

Wann ist Desinfektion nötig, wann reicht Reinigung?

Privathaushalt: Das Bundesinstitut für Risikobewertung sieht Desinfektionsmittel im Haushalt nur in begründeten Ausnahmefällen vor, etwa wenn ein Arzt es empfiehlt. Zum Infektionsschutz genügen Grundregeln der Hygiene und Reiniger ohne antimikrobielle Wirkung. Dazu zählen Händewaschen, regelmäßiges Reinigen und sichere Lebensmittelhandhabung. Der generelle Einsatz bringt keinen hygienischen Vorteil, birgt aber Risiken wie Vergiftungen, Verätzungen und Allergien.

Gewerbe und Einrichtungen: Hier entscheidet der Hygieneplan.

  • Krankenhäuser, Einrichtungen für ambulantes Operieren, Reha-Einrichtungen, Dialyse und vergleichbare Einrichtungen müssen nach § 23 Abs. 5 Infektionsschutzgesetz Hygienepläne festlegen. Für Arzt- und Zahnarztpraxen kann das die Landesregierung per Verordnung für Praxen mit invasiven Eingriffen vorschreiben.
  • Gemeinschaftseinrichtungen wie Kitas und Schulen legen Hygienepläne nach § 36 Abs. 1 Infektionsschutzgesetz fest.
  • Küchen und Lebensmittelbetriebe folgen ihrem Hygienekonzept.
  • Büros und Treppenhäuser kommen in der Regel mit Reinigung aus, Kontaktflächen werden je nach Konzept zusätzlich gewischt.

Beispiel (Aufbau eines Reinigungs- und Desinfektionsplans, keine Vorgabe): Ein Plan führt je Bereich auf, was gemacht wird, womit, wie oft und wer es verantwortet.

  • Bereich oder Fläche, zum Beispiel Behandlungsraum, Sanitär, Küche.
  • Verfahren, zum Beispiel Reinigung oder desinfizierende Reinigung.
  • Mittel mit Konzentration und Einwirkzeit.
  • Häufigkeit und Auslöser, zum Beispiel täglich oder nach Kontamination.
  • Verantwortliche Person und Dokumentation.

Diese Übersicht ersetzt keine Beratung durch das Gesundheitsamt oder eine Hygienefachkraft. Lassen Sie Ihren Hygieneplan dort prüfen.

Sicherheit, Recht und Beschäftigte

Desinfektionsmittel sind in der Regel Biozidprodukte nach EU-Recht und müssen zugelassen sein. Beachten Sie Konzentration, Einwirkzeit und Hinweise auf dem Etikett. Mischen Sie nie verschiedene Mittel, lagern Sie sie sicher und nutzen Sie bei Bedarf Handschuhe und Augenschutz. Beschäftigte brauchen eine schriftliche Betriebsanweisung und eine mündliche Unterweisung zu den Stoffen und zum Umgang. Sie muss vor Aufnahme der Tätigkeit und danach mindestens jährlich stattfinden und wird schriftlich festgehalten (§ 14 Gefahrstoffverordnung). Verantwortlich ist der Arbeitgeber.

Für Beschäftigte ist Desinfektion ein Qualifikationsfeld. Wer Hygienepläne umsetzen kann, ist in Praxen, Pflege und Kitas gefragt. Raumdesinfektionen durch Verdampfen oder Vernebeln werden nur in seltenen Ausnahmefällen nötig und von einer Desinfektorin oder einem Desinfektor überwacht. Im Vertrag sollten Auftraggeber festhalten, welche Flächen desinfizierend gereinigt werden, mit welchem Mittel und in welchem Turnus.

Häufige Fehler

  • Desinfizieren, ohne vorher zu reinigen, wo grober Schmutz die Wirkung mindert.
  • Einwirkzeit nicht einhalten oder die Fläche zu früh abtrocknen.
  • Reiniger mit antibakteriellem Zusatz für Desinfektionsmittel halten.
  • Im Privathaushalt dauerhaft desinfizieren, obwohl Reinigung genügt.
  • Mittel ohne Unterweisung der Beschäftigten einsetzen.
  • Einen Desinfektionsplan führen, den niemand überprüft.

Häufige Fragen

Was ist der Unterschied zwischen Reinigung und Desinfektion?

Reinigung entfernt Schmutz und sichtbare Verunreinigungen. Desinfektion verringert die Zahl krankmachender Mikroorganismen durch Abtöten oder Inaktivieren mit nachgewiesener Wirkung, sodass keine Infektionsgefahr mehr ausgeht.

Was ist der Unterschied zwischen Desinfektion und Sterilisation?

Desinfektion verringert die Keimzahl, Sterilisation beseitigt alle vermehrungsfähigen Keime einschließlich Sporen. Sterilisation ist vor allem für Instrumente vorgesehen, die Haut oder Schleimhaut durchdringen.

Muss ich zu Hause desinfizieren?

In der Regel nicht. Das Bundesinstitut für Risikobewertung hält Desinfektionsmittel im Privathaushalt nur in begründeten Ausnahmefällen für sinnvoll, zum Beispiel auf ärztliche Empfehlung.

Was bedeuten die Wirkungsbereiche A und B?

Nach der RKI-Liste steht A für die Abtötung von vegetativen Bakterien einschließlich Mykobakterien sowie Pilzen und Pilzsporen. B steht für die Inaktivierung von Viren, vergleichbar mit der Angabe viruzid.

Was ist desinfizierende Reinigung?

Reinigung und Desinfektion erfolgen in einem Arbeitsgang mit einem dafür deklarierten Desinfektionsreiniger. Konzentration und Einwirkzeit müssen eingehalten werden, die Fläche darf in dieser Zeit nicht nachgetrocknet werden.

Quellen

Zuletzt geprüft am 25.10.2026. Rechtliche und finanzielle Angaben können sich ändern.